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Schriftzug Hintergrund Geschichte D(1)

Wer sich den Campingpark Lindelgrund in seiner heutigen Form ansieht, kann kaum glauben, dass es sich früher um eine Formsandgrube gehandelt hat. Dabei gibt es hier einige Zeugnisse aus dieser Zeit: Steinbrüche, Bahnschienen oder alte Gussformen, sie alle erzählen von der "bewegten" Geschichte des Lindelgrundes.

Das Formsandwerk

Der Formsandabbau und die Familie Faust gehörten über viele Generationen zusammen: Schon im Jahr 1775 wurde das Fuhrunternehmen Faust gegründet, das den Transport von Formsand an Eisengießereien abwickelte. Dies geschah zunächst mittels Pferdefuhrwerken und nach dem Bau der Hunsrückbahn im Jahr 1889 per Eisenbahn.

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Steinbruch 1956 Mahlwerk 1956

Von Anbeginn an baute die Familie Faust auch selbst Formsand ab, jedoch zunächst nicht am Lindelgrund, sondern ca. 500 m entfernt am "Rotenberg". Weil die dortigen Sandvorkommen aber begrenzt waren, wurde das Abbaugebiet schließlich auf den Lindelgrund verlagert, der bis dahin landwirtschaftlich genutzt worden war. 1911 kaufte die Familie dort die erste von insgesamt 70 Parzellen, ein Jahr später wurde das neue Formsandwerk offiziell eröffnet. Der abgebaute Sand wurde an Gießereien in ganz Deutschland geliefert.

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Abbauschema Formsandabbau 1958

Bei schlechtem Wetter erwies sich jedoch der Abtransport des Sandes auf den unbefestigten Wegen des Lindelgrundes als schwierig. Deshalb wurde im Jahr 1914 mit dem Bau einer Feldbahn begon- nen, deren Kipploren zunächst von Pferden oder Kühen gezogen wurden. Die Bahn führte bis zur Straße, wo der Sand auf Fuhrwerke verladen wurde und dann zum Bahnhof gebracht wurde. 1924 schafften die Fausts die ersten Lokomotiven an. In diesem Jahr erfolgte auch eine Erweiterung der Feldbahnstrecke bis zum Heddesheimer Bahnhof, was den Abtransport ungemein erleichterte. Der Bedarf an Formsand stieg mit Ausbruch des Zweiten Weltkrieges stark an, nämlich von unter 15.000 Tonnen jährlich vor 1939 auf 20.000 bis 24.000 Tonnen jährlich. Dies änderte sich aber Anfang der 50er Jahre, als die Gießereien immer mehr auf synthetische Formstoffe umstellten. Schließlich musste der Faust’sche Abbaubetrieb 1971 weitestgehend aufgegeben werden. Die Bestandteile der Feldbahn wurden verkauft.

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Formsandabbau im oberen Talgrund 1956

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Premiere: erste Dauercamper 1972

Der Campingplatz (seit1971)

Was sollte nun aus dem Lindelgrund werden? Eine neue Nutzung musste her, um den Familienunterhalt zu sichern. Letztlich setzte sich die Idee durch, das Tal zu einem Camping- platz umzugestalten. Sofort wurde damit begon- nen, das Gelände zu planieren. Am 1.Mai 1972 konnte der Campingplatz offiziell eröffnet werden. Zunächst wurden einfach ausgestattete Wohn- wagenstellplätze angelegt. Erst Ende der 70er Jahre wurden erste Metallmobilheime aufgebaut, die aus England importiert wurden. Anfang der 80er Jahre kamen schließlich die ersten Holz- mobilheime auf. Und so entwickelte sich der „Lindelgrund“ mehr und mehr zu einer Wochen- endsiedlung.

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Eine Postkarte aus den 70ern

Das Feldbahnmuseum (seit 2000)

Doch Heinrich und Gerhard Faust merkten, dass ihnen etwas fehlte: die gute, alte Feldbahn. Eine einzige Lokomotive war noch vorhanden, 1985 wurde eine weitere angeschafft – und es sollte nicht die einzige bleiben. Bald wurde auch mit dem Wiederaufbau einer Gleisstrecke begonnen, zunächst unmittelbar auf dem Campingplatz. Dies untersagten jedoch die Behörden aus wasserschutzrechtlichen Gründen, so dass auf den oberen Teil des Geländes ausgewichen werden musste. Dort wurde dann im Laufe der Zeit eine mehrere Kilometer lange Gleisstrecke angelegt. Am 1. Mai 2000 konnte schließlich das „Heddesheimer Feldbahnmuseum“ feierlich eröffnet werden. Für Heinrich und Gerhard Faust ging damit ein Lebenstraum in Erfüllung.

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